EHRENPREIS DES DEUTSCHEN FERNSEHKRIMI-FESTIVALS

Der 3. Ehrenpreis des 17. Deutschen FernsehKrimi-Festivals 2021  geht an den Regisseur und Drehbuchautor Eoin Moore. Die Verleihung des Ehrenpreises findet im Rahmen der Online-Preisverleihung am Freitag, 4. Juni 2021, 20 Uhr, hier auf der Website statt. Laudator*innen sind die Schauspieler*innen Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner.

Die Jurybegründung

Debüts sind wie ein Versprechen, das eingelöst oder auch gebrochen wird. Eoin Moores erster Film „Plus Minus Null“, zu dem er auch das Drehbuch schrieb, war sogar mehr als das. Er zeigte den Regisseur schon auf der Höhe seines Könnens, seine unverwechselbare Handschrift, diesen „Eoin-Moore-Touch“, dem er bei allen Wandlungen und Entwicklungen in den Jahren danach zum Glück immer treu blieb. Der Film brachte 1998 einen neuen, ganz eigenen Ton in das deutsche Kino, eine Natürlichkeit und Lebendigkeit, einen genauen Blick für die sozialen Randlagen der Gesellschaft, einen trockenen Witz und vor allem eine erstaunliche Meisterschaft in der Schauspielerführung. Sein Hauptdarsteller, der unvergessene Andreas Schmidt, brachte es so treffend auf den Punkt, als er meinte, Moore verstehe wirklich etwas von den Schauspielern, er würde dabei immer aus sich selbst heraus inszenieren und sei innerlich vielleicht „der beste Schauspieler von uns allen“.

Eoin Moore wurde 1968 in Dublin geboren, 1988 kam er nach Berlin und studierte an der DFFB Regie. Er brachte die Seherfahrung des realistischen irischen und britischen Kinos mit und übertrug sie auf deutsche Verhältnisse, denen er klug und analytisch auf den Grund ging. Das Fernseh-Krimigenre lieferte ihm hierfür die perfekte Grundlage, auf der er sein Werk errichtete, das immer auf die Wirklichkeit ausgerichtet ist, auf aktuelle Konflikte, Verwerfungen und Spannungen.

Das Geheimnis der Methode Eoin Moore ist seine Gründlichkeit und Sensibilität. Schauspieler Charly Hübner, der im Rostocker Polizeiruf mit Anneke Kim Sarnau eines der eindrucksvollsten und eigenwilligsten Kommissars-Duo des deutschen Fernsehens bildet, erinnert sich noch gut an die Anfänge. Gemeinsam gingen sie alle durch die alte Hansestadt, die Moore an seinen Geburtsort Dublin erinnerte, und entwickelten die Figuren, die erzählerisch einen so langen Atem haben. Ihre bewegten Lebensgeschichten, ihre Auseinandersetzungen und Annäherung halten das Publikum nun schon seit Jahren genauso in Atem wie die Kriminalfälle selbst.

Die Selbstverständlichkeit, das scheinbar völlig unangestrengte dieser Polizeirufe, diese nahezu dokumentarische, alltäglich wirkende Erzählweise sind das Ergebnis intensivster Vorbereitung und langer gemeinsamer Arbeit an den Rollen, deren tragische Tiefe und persönlichen Verstrickungen mit jedem Film neu ausgelotet werden. Schuld und Sühne gibt es hier nicht nur auf der Täterseite. Die Rostocker Polizeirufe, wie sie Eoin Moore entwickelt hat, sind auch eine große Serie über den Zustand des Landes geworden, so wie einst Balzac und Zola in ihren zyklischen Gesellschaftspanoramen das Bild ihrer Gesellschaft zeichneten.

Eoin Moore ist beim Drehen immer gut gelaunt, verriet mir Charly Hübner, sehr konzentriert und hat alles im Blick. Unwirsch wird er nur, wenn man ihn zu erhöhtem Tempo antreiben will, zu einer ökonomischen Oberflächlichkeit, die seinem Wesen, seinem Verantwortungsgefühl für seine Figuren und Geschichten entgegensteht. Eoin Moore hat auch erfolgreich und höchst originell mit anderen Ermittlerinnen und Ermittlern gedreht, mit Edgar Selge in München, mit Maria Simon in Brandenburger Polizeiruf, mit Tatort-Kommissaren wie Axel Milberg und Til Schweiger. Aber mit dem Rostocker Polizeiruf schrieb er Fernsehgeschichte. Er nahm die langen Traditionen der sozialkritischen Tatorte und Polizeirufe auf und bereicherte sie mit seiner erzählerischen Farbigkeit und Fantasie, seinem Humor, seiner Fähigkeit, Vergangenheit und Gegenwart, Ost und West filmisch ins Gespräch zu bringen, und natürlich auch mit seinem untrüglichen Gefühl für Spannung. Das macht Eoin Moore zu einem sehr würdigen Gewinner des Ehrenpreises des Deutschen FernsehKrimi-Festivals 2021.

Die Jury des Ehrenpreises des Deutschen FernsehKrimi-Festivals: Journalist Knut Elstermann, Mediendramaturgin, ehemalige Fernsehspielchefin des HR und Mitbegründerin des Festivals Liane Jessen sowie Festivalleiterin Cathrin Ehrlich.